Wasserrad und Insellage

 
Die Neuwagenmühle ist eine Insellage,

dh. wir gewinnen unseren Strom durch das hauseigene Wasserrad. Unser Abwasser klären wir mit einer eigenen Schilfkläranlage. Unser Brauchwasser ist reines Quellwasser.

Bis heute ist die Neuwagenmühle nicht an die öffentlichen Versorgungsnetze angeschlossen.
Diese Situation fordert alle Bewohner*innen der Mühle heraus.
In einer Zeit des bedenkenlosen Energie-Konsums und der damit einhergehenden Entfremdung von der Natur, sind wir auf der Neuwagenmühle gefordert, mit der Natur im Einklang zu leben. Uns bleibt  garnichts anderes übrig!

Wenn es regnet haben wir viel Strom, die Waschmaschine läuft, wir können bedenkenlos Staubsaugen, unsere Haare fönen, unser Frühstücksbrot toasten und sogar mit Strom heizen.

Ist es jedoch trocken, dann kann es passieren, dass wir gar keinen Strom mehr haben. Unvorstellbar für viele Menschen - für uns ein selbstgewähltes Lebensspiel.

Das Wasserrad

bringt uns den Strom. Einspeisen können wir nicht, da es keine Stromleitung zu uns gibt. Im Jahr 2000  haben wir ein neues oberschlächtiges verzinktes Metallrad einbauen lassen nebst Industriegetriebe und Generator mit Wechselrichter. Einsepisen können wir nicht, da es keine Stromleitung zu uns gibt. Den überschüssigen Strom vernichten wir über einen Heizblock, der im Hausflur des Haupthauses steht. Das Wasserrad hat 3m Durchmesser, ist 0,70 cm breit und bringt max. 5 kw/h.

Unser Rohstofflieferant für den Strom ist der Dörsbach. Sein Name kommt von dörr, so wird es gesagt, und so ist es: Im Sommer führt der Bach nur wenig Wasser. Wer hier lebt, lebt mit dem Wetter. Wenn andere sich über regnerische Sommertage ärgern, freuen wir uns darüber, denn Regen bedeutet genug Strom und Wasser für die Kläranlage und den Hausgebrauch. 


Die Schilfkläranlage

haben wir 1997 eingebaut. Darüber klären wir unsere Abwässer. Allerdings müssen Feststoffe nach wie vor abgefahren werden. Dafür haben wir bisher keine passende Lösung gefunden.


Die jahrelange Trockenheit

wirkt sich auch auf unser Leben aus. Ob Strom, Klärung der Abwässer oder Trinkwasser, ohne Wasser geht es nicht. Das zeigt uns nun auch die uns umgebende Natur. Sehr viele Bäume sind bereits abgestorben, und es schaut so aus, dass es noch mehr werden.


Die Neuwagenmühle ist eine handyfreie Zone.

Wir leben im Funkloch. Wie angenehm! Überall verfolgen uns irgendwelche Frequenzen, die weder für die Natur noch für unsere Körper gut verträglich sind. Deshalb haben wir entschieden alle Wohnräume zu verkabeln und lassen auch das WLAN weitestgehend abgeschaltet. Mir ist aufgefallen, dass wir am Anfang bei bedenkenlosem WLAN-Gebrauch ein enormes Hornissensterben hatten. Vögel nisten nicht mehr am Haus, wenn das WLAN zu häufig angeschaltet ist. Vor allem in der Brutphase scheint die Strahlung für sie unangenehm zu sein. In Dörfern und Städten können die Vögel nicht mehr ausweichen, hier jedoch schon, und das tun sie auch.

Hier am Platz und im Tal fühlen sich alle entspannt. Ein Grund dafür ist das fehlende Handynetz. Die beständige Erreichbarkeit, die stetige Geschäftigkeit, die den Einzelnen das Sich-Besinnen-auf-das-Wesentliche so oft vergessen lässt, ist hier einfach abgeschaltet.

Foto oben links: Ralf Dietrich, Der Dörsbach, Sommer 2008
Foto oben rechts: Wasserrad im laufenden Betrieb
Foto untern: Gertraud Gspahn, Kormoran an der Dörsbachmündung in die Lahn